Flora und Fauna

Das Naturschutzgebiet Feldberg

SperlingskauzQuelle: H. Ulsamer

Mit fast 1.500 Metern Höhe ist der Feldberg der höchste deutsche Berg außerhalb der Alpen und gehört zu den beliebtesten Ausflugs- und Wandergebieten des Schwarzwaldes. Gleichzeitig ist das Feldberggebiet Lebensraum vieler seltener Tiere und Pflanzen. Aus diesem Grund wurde es bereits 1937 unter Naturschutz gestellt.

Von weitem fällt der Feldberg durch seine langgezogene, unbewaldete Kuppe auf. Er scheint die natürliche Waldgrenze zu überschreiten. Tatsächlich war es aber der Mensch, der hier vor etwa 1.000 Jahren begann, den Urwald zu roden und die entstehenden Wiesen als Rinderweide zu nutzen. Aber in einigen besonderen Lebensräumen wuchsen auch ohne den Einfluss des Menschen nach der letzten Eiszeit keine Bäume: Felsen, Lawinenbahnen und Moore waren in den letzten 10.000 Jahren Rückzugsgebiete für ganz besondere Pflanzen und Tiere – so genannte Eiszeitrelikte. Diese haben heute in den Alpen ihren Verbreitungsschwerpunkt, kommen aber auch auf dem Feldberg noch vor. Wissenschaftler bezeichnen den Feldberg deshalb als „subalpine Insel“.

Die Gipfellagen des Feldbergs sind bedeckt von außerordentlich artenreichen, bunten Bergwiesen, den so genannten „Weidfeldern“. Pflanzliche Relikte aus der letzten Eiszeit sind hier zu finden, aber auch Charakterarten nährstoffarmer, extensiv genutzter Weiden wie etwa das vom Vieh nicht gern gefressene Borstgras oder die aromatisch duftende Bärwurz. Auch der stattliche Gelbe Enzian wächst hier recht häufig. Im Sommer sind die Weidfelder Brutplatz vieler wiesenbrütender Vogelarten wie Bergpieper, Wiesenpieper oder Feldlerche.

Ein großer Teil des Naturschutzgebiets Feldberg ist von Wald bedeckt. Durch den Einfluss des Menschen ist zwar der früher hier wachsende Urwald – ein Mischwald aus Buchen, Tannen und Bergahornen sowie mit steigender Höhe immer häufiger auch Fichten – fast vollständig verschwunden. Doch vor allem in den „Bannwäldern“ im Feldseekar und im oberen St. Wilhelmer Tal konnten sich wieder sehr naturnahe, urwüchsige Waldbestände entwickeln. Hier wächst neuer Urwald heran.

Die Nachkommen der Urwaldfichten sind an ihrem schlanken, säulenförmigen Wuchs zu erkennen. Diese Hochlagenfichten sind besonders widerstandsfähig gegenüber großen Schneelasten. Tote Bäume im Bannwald sind kein Zeichen für das Waldsterben, sondern eine Folge natürlicher Ereignisse wie Borkenkäferbefall oder Sturm. Zugleich bilden tote Bäume eine wichtige Lebensgrundlage für eine sehr artenreiche Tierwelt. So ist zum Beispiel der seltene Dreizehenspecht in den 80er Jahren aus seinem „Exil“ in der Schweiz zurückgekehrt, der sich vorrangig von Borkenkäferlarven ernährt und seine Bruthöhlen mit Vorliebe in abgestorbenen Fichten anlegt.

An lichten Stellen im Wald treten üppige Hochstaudenfluren mit vielen alpinen Arten auf. Besonders schön tief violett blühen im Juli der Alpen-Milchlattich und der Graue Alpendost mit seinen großen Blättern. Aber auch der Blaue und der Weiße Eisenhut, das gelb blühende Greiskraut und die Türkenbundlilie sind typische Bewohner dieser oft feuchten Fluren.

Der über 30 m tiefe Feldsee wurde von den Gletschern der letzten Eiszeit als typischer Karsee geschaffen. Auch in ihm finden wir seltene Eiszeitrelikte wie den hübschen Seesaibling oder das Stachelsporige Brachsenkraut, einen Unterwasserfarn, der außer im Feldsee in Mitteleuropa nur noch im Titisee vorkommt.
Wegen des Vorkommens dieser Pflanze wurde auch das Baden im Feldsee verboten. Wenn nämlich Badende ins Wasser gehen, treten sie diese empfindliche Pflanze nieder. Seit dem Badeverbot hat sich das Brachsenkraut übrigens wieder erholt, die Regel zeigt also Wirkung. Und wenn Sie wissen wollen, wozu wir eigentlich das Stachelsporige Brachsenkraut brauchen, nehmen Sie einfach einmal an einer der Führungen des Naturschutzzentrums teil.

Der Feldberg weist ein extrem raues Klima auf: Im Jahresmittel fallen hier knapp 2.000 mm Niederschlag und die Durchschnittstemperatur liegt bei etwa 3,5 °C. Der erste Schnee fällt meist schon im September und die letzten Schneereste tauen im langjährigen Jahresmittel im Juli ab. Der Feldberger sagt: „Es gibt keinen Monat auf dem Berg, in dem es noch nicht geschneit hat.“ Diese rauen klimatischen Bedingungen prägen eine für die deutschen Mittelgebirge einmalige Pflanzen- und Tierwelt.

Bereits vor über 350 Millionen Jahren erstarrte in großer Tiefe Magma, das wir heute als Granit und Gneis im Hochschwarzwald wiederfinden. Während der Zeit der Dinosaurier vor ca. 100 Mio. Jahren war der heutige Feldberg noch tief unter dem Boden des Jurameeres begraben. Seit etwa 45 Mio. Jahren wurde der Schwarzwald gegenüber dem Rheintal angehoben und die Gesteinsschichten abgetragen, die das Gebiet einst bedeckten. Die Vergletscherung der letzten Eiszeiten sorgte für den „letzten Schliff“. Viele Zeugen dieser Eiszeiten sind am Feldberg noch heute zu entdecken.

Das Feldberggebiet bietet eine Vielzahl gut angelegter, aussichtsreicher Wanderwege. Das „Highlight“ ist der als Premium-Wanderweg zertifizierte Feldbergsteig, der das gesamte Massiv umrundet. Viele gemütliche Hütten laden unterwegs zur Einkehr ein. An klaren Herbsttagen schweift der Blick vom Seebuck oder vom „Höchsten“ über den ganzen Südschwarzwald bis zu den Vogesen, zur Schwäbischen Alb und ins Hegau. Besonders faszinierend ist der Blick auf die Alpenkette bis hin zur Zugspitze im Südosten und dem 246 km entfernten Montblanc weit im Südwesten.

An vielen Stellen wachsen in den Wiesen kleine oder größere Fichten. Wo die Wiesen nicht mehr als Weide genutzt werden, holt sich der Wald sein angestammtes Terrain zurück. Die Weidfelder können daher nur mit menschlicher Hilfe offen gehalten werden, z. B. durch das Beweiden mit Rindern, Ziegen und Schafen. Manchmal müssen sogar die Bäume wieder entfernt werden, die sich immer weiter ausbreiten. Ohne diesen Eingriff würden die meisten der wunderschönen Bergwiesen am Feldberg langsam zuwachsen. Das ist dann Pflege einer Kulturlandschaft für den Artenschutz